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12. Sep 2017 - 15:47 Uhr

Händedesinfektionstag in 15 Kliniken - Aktion musste abgebrochen werden - Ordnungsgemäße Desinfektion mit derzeitiger Personalmenge nicht durchführbar

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Heute haben mit Beginn der Frühschicht Pflegekräfte auf 60 Stationen in 15 Kliniken in Baden-Württemberg die Vorschriften zum Desinfizieren der Hände exakt eingehalten: vorgeschrieben sind 30 Sekunden vor und nach jedem Kontakt mit einem Patienten.

Der Aktionstag, der bundesweit durchgeführt wird, musste in den meisten baden-württembergischen Kliniken bereits nach wenigen Stunden abgebrochen werden. Die an der Aktion beteiligten Pflegekräfte sagten dazu übereinstimmend: „Eine ordnungsgemäße Händedesinfektion ist mit der derzeitigen Personalmenge nicht durchführbar.“

Irene Gölz, ver.di Landesfachbereichsleiterin Gesundheit: „Innerhalb von wenigen Stunden war heute klar: Desinfizieren sich die Beschäftigten absolut korrekt die Hände, bleiben andere wichtige Aufgaben der Patientenversorgung liegen. Deshalb hat ein Großteil der Teams entschieden, die Aktion abzubrechen oder eine Gefährdung anzuzeigen.“

Die Aktion heute ergab, dass das korrekte Desinfizieren der Hände pro Person und Schicht bis zu zwei Stunden in Anspruch nimmt. Wie viel Zeit für die Händedesinfektion aufgewendet wird, ist abhängig von der Anzahl der zu betreuenden Patienten. Je mehr Patientinnen einer Pflegekraft zugeordnet sind, desto häufiger müssen die Hände desinfiziert werden. In Deutschland ist eine Pflegekraft in den Tagschichten im Durchschnitt für 9,9 Patientinnen zuständig. In der Schweiz sind dies nur 5,3 Patienten.

„Bisher haben die Beschäftigten den schwarzen Peter, müssen entscheiden, was wie gründlich erledigt werden muss und was liegen bleiben kann. Heute haben wir diesen schwarzen Peter dahin zurückgegeben, wo er hingehört: an die Arbeitgeber, die für den Gesundheitsschutz der Beschäftigten verantwortlich sind und an die Gesundheitspolitiker, die für die sichere Patientenversorgung verantwortlich sind,“ so Gölz weiter. „Ohne eine ausreichende und vor allem eine gesetzlich vorgeschriebene Personalbemessung droht der Kollaps, erst der Beschäftigten und dann der Kliniken und somit der Patientenversorgung.“

Die Beschäftigten halten seit Jahren mit hohem Berufsethos und auf Kosten ihrer Gesundheit den Krankenhausbetrieb aufrecht. Sie verzichten auf Pausen, machen Überstunden, springen aus ihrem Frei ein und leiden unter hoher Arbeitshetze. Für die persönliche Ansprache der Patienten fehlt die Zeit schon lange, inzwischen aber auch für grundlegende pflegerische Tätigkeiten.

ver.di fordert verbindliche Personalvorgaben per Gesetz, die für alle Krankenhausbereiche gelten sollen. Die Bundesregierung hat Personaluntergrenzen für sogenannte pflegesensitive Bereiche auf den Weg gebracht. Aus Sicht der Gewerkschaft ist Pflege immer sensitiv, weshalb die noch zu erarbeitenden Vorschriften alle Pflegebereiche abdecken müssen. Die Personalausstattung muss sich am konkreten Pflegebedarf der Patienten orientieren. Zugleich fordert ver.di die Klinikbetreiber auf, Verantwortung für die Gesundheit ihrer Beschäftigten zu übernehmen und für Entlastung zu sorgen.

Gölz dazu: „Die Arbeitgeber sind verpflichtet, die Gesundheit ihrer Beschäftigten zu schützen. Es muss genug Personal zur Verfügung stehen, damit Patienten gesund und Pflegekräfte nicht selbst krank werden.“

Um die Häuser, die von der Aktion betroffen sind, nicht öffentlich im Wettbewerb mit den anderen Häusern zu diskreditieren, führt ver.di die Aktion ohne Nennung von Kliniken durch. Wir bitten Sie dafür um Verständnis.

(Presseinfo: Ver.di Landesbezirk Baden-Württemberg, 12.09.2017)


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