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Kreis Emmendingen - Emmendingen

22. Feb 2021 - 17:54 Uhr Landrat Hanno Hurth
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Covid-19 - Bericht zur aktuellen Lage im Landkreis Emmendingen von Landrat Hanno Hurth - Aus der Kreistagssitzung vom 22. Februar 2021

Bericht zur aktuellen Lage im Landkreis Emmendingen von Landrat Hanno Hurth

Sehr geehrte Damen und Herren Kreisräte,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

am 29. Februar 2020 wurde dem Gesundheitsamt im Landratsamt Emmendingen der erste Covid-19-Fall gemeldet. Die Kreisverwaltung möchte den baldigen Jahrestag dieses traurigen Ereignisses zum Anlass nehmen, Ihnen einen kurzen Rückblick und einen aktuellen Bericht zur Situation im Landkreis Emmendingen zu geben.

Nach den ersten Labornachweisen Anfang März 2020 entwickelten sich im Laufe der folgenden Wochen die Fallzahlen exponentiell. Bereits Mitte März waren über 150 Infektionen im Landkreis gemeldet. Dies zu einem Zeitpunkt, als die Testmöglichkeiten und Testkapazitäten in Deutschland und Europa noch stark begrenzt waren. Dabei konnte unser Gesundheitsamt im Wesentlichen fünf Infektionsketten ausmachen: Eine kirchliche Veranstaltung im Raum Mulhouse, eine Firma in einem Gewerbegebiet in Freiburg, Reiserückkehrer aus Norditalien, Skiurlauber aus Ischgl und Einreisende aus der elsässischen Grenzregion. Die sogenannte „Erste Welle“ schwächte sich zumindest im Landkreis Emmendingen bereits ab Mitte April deutlich ab und war rückblickend Anfang Mai vorbei.

Im Verlauf des Sommers 2020 traten nur vereinzelte Infektionen auf. Diese standen weit überwiegend im Zusammenhang mit Reisen, insbesondere in osteuropäische Länder und in die Balkanstaaten. Der Altersdurchschnitt der Betroffenen war zunächst deutlich jünger; der weit überwiegende Teil der Infektionen verlief mit allenfalls geringen Symptomen.

Anfang Oktober wiederholte sich die Situation vom März wieder. Diesmal allerdings dramatischer; so waren die Fallzahlen deutlich höher, dies gilt auch für die Betroffenheit höherer Altersgruppen und die Zahl schwerer bzw. sehr schwerer Krankheitsverläufe. In einem exorbitanten und erneut exponentiellen Verlauf schien die Situation nicht nur im Landkreis Emmendingen kaum noch kontrollierbar zu werden. Im Gegensatz zum Frühjahr konnte das Gesundheitsamt keine direkten oder leicht überschaubaren primären Ursachen für diese zweite Welle ermitteln. Von Beginn an erschien das gesamte Geschehen überwiegend diffus und somit auch spürbar bedrohlicher.

Die ersten Lockdown-Maßnahmen, die ab Oktober bundes- und landesweit ergriffen wurden, führten zwar zu einem Abbremsen der beschriebenen exponentiellen Entwicklung, nicht aber zu der erhofften neuerlichen Eindämmung des Infektionsgeschehens. Dies kann unser Gesundheitsamt erst ab Mitte Januar 2021 stabil feststellen; seit dem 26. Januar liegt die sogenannte 7-Tages-Inzidenz im Landkreis konstant unter 50. Ganz wesentlich hat zu dieser erfreulichen Entwicklung beigetragen, dass sich in größeren Einrichtungen, z. B. in Krankenhäusern, Pflegeheimen und in Kindertagesstätten zuletzt nur vereinzelt größere Häufungen und Ausbrüche ereigneten. Auch nimmt die Zahl der privaten engen Kontaktpersonen nachgewiesener Fälle deutlich ab. Dies ist ein Zeichen dafür, dass sich der weit überwiegende Teil der Bevölkerung an die strikten Regelungen der Kontaktbeschränkungen auch im privaten Bereich hält.

Analysiert man die vielen im Zusammenhang mit Covid-19 erhobenen Zahlen, so kann man feststellen, dass der Altersdurchschnitt der Infizierten im Landkreis nur unwesentlich über dem Altersdurchschnitt der gesamten Bevölkerung in unserer Region liegt, dieser liegt bei 44 Jahren. Leider sind in den vergangenen 11,5 Monaten 131 Menschen im Landkreis an oder im Zusammenhang mit Covid-19 gestorben. Der Altersdurchschnitt der Verstorbenen liegt bei 83 Jahren. Dies entspricht der Entwicklung in der gesamten Bundesrepublik und belegt, dass gerade ältere Menschen und Hochbetagte Opfer des Covid-19-Virus wurden und werden.


In den vergangenen Monaten hat die Kreisverwaltung ganz bewusst auf die Veröffentlichung regelmäßiger gemeindescharfer Fallzahlen verzichtet. Denn der Wohnort ist - etwa bei längeren Krankenhaus- oder Rehaaufenthalten - nicht identisch mit dem Aufenthaltsort des Infizierten; zudem ist der eigene Wohnort selten der Infektionsort. Eine regelmäßige Auflistung der Infektionszahlen je Gemeinde hat deshalb keinerlei Aussagekraft über die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung. Entsprechende Veröffentlichungen könnten aber die Menschen fälschlicherweise in Sicherheit wiegen, wenn ihre Gemeinde eine geringere Inzidenz aufweist. Auch geht es darum, gerade in kleineren Gemeinden die Infizierten vor Anfeindungen und Vorwürfen zu schützen.

Den heutigen Jahresrückblick hat die Kreisverwaltung zum Anlass genommen, die kumulierten Gemeindezahlen in den vergangenen zwölf Monaten zusammenzustellen und in Bezug zu setzen zur jeweiligen Einwohnerzahl der Gemeinde. Dabei zeigt sich, dass das Covid-19-Virus in allen 24 Städten und Gemeinden des Landkreises aufgetreten ist. Ein sogenannter Hotspot lässt sich nicht ausmachen. Vielmehr liegen bezogen auf die Einwohnerzahl die Werte nicht weit auseinander. So wurden im Landkreis, Stand 17. Februar 2021, in den vergangenen fast zwölf Monaten 2,4 % der Bevölkerung mit dem Corona-Virus infiziert. Weisweil hat mit 1,4 % der Bevölkerung derzeit den niedrigsten Wert. Hätten sich aber in diesen zwölf Monaten dort nur weitere 18 Einwohner infiziert (monatlich also noch nicht einmal zwei), hätte Weisweil den kreisweiten Durchschnitt auch erreicht.

Diese kumulierte Zusammenstellung ist deutlich aussagekräftiger und zeigt, dass wir im Landkreis das haben, was das Gesundheitsamt und auch das Landesgesundheitsamt ein diffuses Infektionsgeschehen nennen. Das Virus kann jeden von uns treffen und tritt in jeder Gemeinde auf.

Verlässt man den Landkreis und schaut auf das Infektionsgeschehen im Land Baden-Württemberg, so ist festzustellen, dass der Landkreis Emmendingen mit über 2.470 Fällen bezogen auf 100.000 Einwohner nicht zu den am stärksten betroffenen Regionen zählt. Die Unterschiede im Land sind aber nicht allzu groß und auch hier sind die Entwicklungen fließend.

Seit dem Aufkommen des Covid-19-Virus hat die Politik in Bund und Ländern vor allem zwei Strategien verfolgt, um das Virus zu überwinden: Die Strategie der Eindämmung (Containment) und die Strategie des Impfens. Dabei konnte mit dem Impfen mangels Impfstoff erst Ende vergangenen Jahres begonnen werden.

Die Strategie der Eindämmung umfasst die Einschränkung der sozialen Kontakte durch Verbote und Verordnungen bis hin zum sogenannten Lockdown. Hinzu kommt das Kontaktmanagement durch die Gesundheitsämter, also die Kontaktaufnahme mit den Infizierten und deren Kontaktpersonen, um dadurch - insbesondere durch häusliche Absonderung - die Infektionsketten zu unterbrechen. In den vergangenen Wochen wurden darüber hinaus die Testungen ausgeweitet. Neben dem regelmäßigen Testen in Alten- und Pflegeheimen soll ab heute auch das anlasslose Schnelltesten für Kindergärten und Schulen angeboten werden.

Der Landkreis, die Kassenärztliche Vereinigung und auch das Deutsche Rote Kreuz haben mit Unterstützung der Kommunen und der Feuerwehr in den vergangenen Monaten unterschiedliche Testzentren aufgebaut, um auf die Anforderungen der Politik reagieren zu können. Aktuell ist das Testzentrum in Malterdingen in Betrieb, das im Sommer ursprünglich für die Reiserückkehrer errichtet worden ist. Bei den seit Herbst letzten Jahres vorgeschriebenen anlasslosen Testungen der Pflegerinnen und Pfleger in Heimen wirken derzeit noch Angehörige der Bundeswehr mit; sie sollen im Laufe der Zeit durch freiwillige Kräfte ersetzt werden.

Seit dem 22. Januar ist das Kreisimpfzentrum in Kenzingen in Betrieb. Es wurde von der Kreisverwaltung in kürzester Zeit aufgebaut. In einer gemeinsamen Kraftanstrengung des Landratsamtes, der Kassenärztlichen Vereinigung und des Deutschen Roten Kreuzes ist es gelungen, ausreichend viele ärztliche Helferinnen und Helfer, Medizinisches Fachpersonal, Reinigungskräfte und einen Sicherheitsdienst zu beschäftigen. Die Registrierung wird von Einheiten der Bundeswehr übernommen. Der Betrieb im Kreisimpfzentrum läuft reibungslos und geordnet. Das Kreisimpfzentrum wird ergänzt durch Mobile Impfteams, die vor Ort in den Pflegeheimen im Einsatz sind.

Aber warum braucht es diese zentrale Einrichtung und wieso finden die Impfungen nicht dezentral in den Hausarztpraxen statt? Eine Impfung in den Arztpraxen ist derzeit noch nicht möglich, da wir gerade in der ersten Phase noch nicht genügend Impfdosen für eine flächendeckende Versorgung verfügbar haben. Hinzu kommen die besonderen Lagerungsanforderungen für den Impfstoff BionTec/Pfizer, die wir derzeit nur im Kreisimpfzentrum einhalten können. Für das zentrale Impfen sprechen aber auch Gesichtspunkte der Logistik und der besseren Planung, die notwendig ist, um die Prioritätenliste des Bundes und des Landes einhalten zu können. Wenn wesentlich mehr und auch andere Impfstoffe zur Verfügung stehen, werden sicherlich - wie bei anderen Impfungen auch - die Hausärzte diese Aufgabe übernehmen.

Wer wird zuerst geimpft? Diese Frage wurde und wird in den vergangenen Monaten angesichts zu geringer Impfdosen in der gesamten Bundesrepublik intensiv diskutiert. Für das Kreisimpfzentrum in Kenzingen gilt wie bundesweit die Reihenfolge, die in der Impfverordnung des Bundes festgelegt worden ist. Es sind also zunächst die über 80-jährigen, aber auch Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeheimen und die dort tätigen Pflegekräfte, Krankenhausmitarbeitende mit einem sehr hohen Expositionsrisiko, aber auch Beschäftigte von ambulanten Pflegediensten in der ersten Priorität. Man kann über die hier getroffene Reihenfolge sicherlich unterschiedlicher Meinung sein. Ich bitte aber um Verständnis, dass wir uns an die Impfverordnung des Bundes halten. Es kann nicht sein, dass in den 295 Landkreisen in der Bundesrepublik nach unterschiedlichen Vorgaben geimpft wird.

In der Anfangsphase haben wir wöchentlich 585 Impfdosen des Impfstoffes BioNTech vom Land erhalten. Davon haben wir jeweils die Hälfte zurückgestellt, um einen reibungslosen Zweitimpftermin gewährleisten zu können. Bedenkt man aber, dass die Gruppe der Menschen, die in der ersten Priorität geimpft werden sollen, allein im Landkreis Emmendingen über 14.000 Personen umfasst, ist verständlich, dass es in den ersten Wochen große Enttäuschungen gerade bei den Menschen gab und gibt, die keinen Impftermin bekommen konnten. Dies gilt insbesondere deshalb, weil das Anmeldeprogramm gerade am Anfang alles andere als reibungslos funktioniert hat. Dabei möchte ich darauf hinweisen, dass dieses System nicht vom Landratsamt eingeführt wurde.

Seit Mitte Februar stehen uns im Kreisimpfzentrum nun wesentlich mehr Impfstoffe zur Verfügung, sodass wir mittlerweile auch nachmittags in einer zweiten Schicht Impfungen durchführen. Dies hängt vor allem damit zusammen, dass die Kreisimpfzentren nun größere Mengen des Impfstoffes AstraZeneca vom Land erhalten. Dieser Impfstoff wurde in Deutschland von der Ständigen Impfkommission beim Robert-Koch-Institut nicht für die über 65-jährigen empfohlen. Wir verimpfen deshalb AstraZeneca derzeit nur an Personen unter 65 Jahre, die in der Priorität 1 sind. Dies sind vor allem Beschäftigte im Gesundheitswesen und in den Pflegeheimen. Ich bitte um Verständnis, dass es ein Wahlrecht hinsichtlich des Impfstoffes nicht gibt. Stand 18. Februar 2021 wurden im Kreisimpfzentrum einschließlich der Zahlen der Mobilen Impfteams 3.528 Impfungen durchgeführt; hiervon sind ca. 540 Zweitimpfungen. Wir hoffen, dass wir die Zweitimpfungen in den Pflegeheimen Ende März abschließen können.

Meine sehr geehrten Damen und Herren, Stand 18. Februar 2021 wurden im Landkreis mittlerweile 38 Variationen des Covid-19-Virus bestätigt. Dabei überwiegt die Variation der britischen Virusmutante. Welche Auswirkungen die mögliche weitere Verbreitung der sogenannten Virusvarianten haben wird, bleibt abzuwarten. Trotzdem besteht aus meiner Sicht, gerade auch angesichts steigender Impfquoten, Anlass für einen vorsichtigen Optimismus. Nichts desto trotz wird die Kreisverwaltung gemeinsam mit den Kommunen, der Kassenärztlichen Vereinigung, dem Deutschen Roten Kreuz und allen anderen beteiligten Institutionen weiterhin das Menschenmögliche tun, um das Corona-Virus hier im Landkreis Emmendingen zu überwinden.

Meine sehr geehrten Damen und Herren, ich möchte heute nochmals die Gelegenheit nutzen, allen Mitarbeitenden in den Kliniken, Pflegeeinrichtungen und Ambulanten Diensten für ihren aufopferungsvollen Dienst zu danken. Ich danke aber auch allen Beschäftigten im Landratsamt, insbesondere im Gesundheitsamt, die nun schon seit Monaten einen hoch engagierten und kompetenten Einsatz erbringen. Schließlich danke ich allen Bürgerinnen und Bürgern, die jeder an seinem Platz zu einem Eindämmen des Corona-Virus beitragen. Dieser Dank gilt auch ausdrücklich allen, die die Regeln zur Einschränkung der sozialen Kontakte beachten.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

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