Der Mangel an Fachkräften im Bereich der frühkindlichen Bildung stellt Kitas auch in der Region vor große Herausforderungen. Es fehlen qualifizierte Erzieherinnen und Erzieher. Ein entscheidender Faktor für die Gewinnung von Fachkräften ist die Ausbildung. In den vergangenen Jahren wurde es jedoch immer schwieriger, alle Ausbildungsplätze zu besetzen. Mehrere Kommunen und kirchliche Träger haben sich deshalb entschlossen, gemeinsam mit dem Freiburger Unternehmen IndiaWorks neue Wege zu gehen und Auszubildende aus Indien für diesen Beruf zu rekrutieren.
Erste Vorstellungsgespräche mit indischen Bewerberinnen und Bewerbern wurden bereits vor Weihnachten online geführt. Für zwei Bewerber wurde inzwischen das Zeugnisanerkennungs- und Visaverfahren eingeleitet. Beide verfügen über gute Sprachkenntnisse und sollen – sofern alle Voraussetzungen erfüllt sind – etwa im Juni einreisen. Ihre Ausbildung bei der Stadt Weil am Rhein und der Gemeinde Binzen soll nach einem vorgelagerten Praktikum am 1. September beginnen.
Weitere Bewerberinnen und Bewerber wurden ausgewählt, die nun in Kursen die deutsche Sprache bis zum erforderlichen B1-Niveau erlernen, bevor das Visumverfahren startet.
Weils Oberbürgermeisterin Diana Stöcker reiste in der vergangenen Woche mit einer Delegation nach Indien, um sich vor Ort ein eigenes Bild zu machen. Neben Gesprächen mit Behörden und der betreuenden Agentur lernte sie auch Bewerberinnen und Bewerber persönlich kennen. „Mir war es wichtig, dass die Menschen auch uns kennenlernen. Sie sollen wissen, wer ihre Partner sind. Sie schenken uns ihr Vertrauen – wir werden ein Stück weit zu ihrer Ersatzfamilie.“
Impulsgeber für das sogenannte Weiler Modell war Metzgermeister Joachim „Jogi“ Lederer, der in seinem Betrieb in Weil am Rhein bereits erfolgreich junge Menschen aus Indien im Metzgerhandwerk und im Fleischereifachverkauf ausbildet. Er beschäftigt inzwischen sieben junge Inderinnen und Inder – zwei Facharbeiter und fünf Auszubildende. Landesweit absolvieren mittlerweile rund 180 Inderinnen und Inder diese dreijährige Ausbildung in Baden-Württemberg, die ersten haben sie bereits mit großem Erfolg abgeschlossen. Auch Lederer war Teil der Delegation nach Indien.
Die Frage, warum dieses erfolgreiche Modell nicht auch auf den Erzieherberuf übertragen werden könne, beschäftigte Stöcker schon länger. Gemeinsam mit der Agentur IndiaWorks wurde das Konzept weiterentwickelt und an die hohen Anforderungen dieses Berufs angepasst. Neben der Stadt Weil am Rhein beteiligen sich auch die Gemeinden Binzen, Eimeldingen und Grenzach-Wyhlen sowie als kirchlicher Träger die Evangelische Kirche an dem Projekt.
„Es geht um die Suche nach Auszubildenden, also um die Fachkräfte der Zukunft. Leider können wir nicht alle Ausbildungsstellen im Kita-Bereich besetzen – es wird immer schwieriger, geeignete junge Menschen zu finden, die diesen Beruf erlernen wollen. Das hat viele Gründe, einer davon ist der demografische Wandel. Daher müssen wir neue Wege gehen, wenn wir auch künftig genügend Erzieherinnen und Erzieher haben möchten“, betont Stöcker.
„Ich bin sehr zuversichtlich, dass dieser Weg erfolgreich sein wird – insbesondere nachdem ich bereits acht der ausgewählten jungen Menschen in Indien persönlich kennenlernen durfte. Sie sind hochmotiviert und freuen sich darauf, bald nach Deutschland kommen zu dürfen, auch wenn sie natürlich nervös sind, was sie in ihrem neuen Leben erwartet“, so Stöcker weiter.
Die Voraussetzungen: Die Bewerberinnen und Bewerber müssen bereits in Indien mit Kindern gearbeitet und ein Studium abgeschlossen haben. Vor ihrer Einreise nach Deutschland erwerben sie Deutschkenntnisse bis zum Niveau B1. Ein speziell entwickeltes Konzept ermöglicht es ihnen, vor Beginn der regulären Ausbildung ein Praktikum in einer deutschen Kita zu absolvieren. Während dieser Zeit erhalten sie intensiven Sprachunterricht, um das Niveau B2 und darüber hinaus zu erreichen. Zudem sammeln sie erste praktische Erfahrungen in den Kitas. So wird gewährleistet, dass sie optimal vorbereitet in die Ausbildung starten.
„Die jungen Menschen sind – wenn sie sich für diesen lebensverändernden Schritt entscheiden – sich ihrer Verantwortung gegenüber der Familie bewusst, hochmotiviert und diszipliniert. Sie wollen sich schnell in die deutsche Gesellschaft integrieren und planen einen dauerhaften Aufenthalt“, erklärt Stöcker.
Sie sei schon immer überzeugt gewesen, dass man legale Migration gezielt ermöglichen müsse – nicht nur für bereits ausgebildete Fachkräfte, sondern auch für junge Menschen, die in Deutschland einen Beruf erlernen möchten, in dem es an Nachwuchs fehlt.
Warum Indien? „Indien hat eine sehr junge Bevölkerung, für die Wirtschaft und Staat nicht genügend Arbeitsplätze bieten können. Die Folge ist eine hohe Jugendarbeitslosigkeit, die langfristig eine große Belastung für die Gesellschaft darstellt“, so Stöcker. Zudem gebe es kein staatliches Absicherungssystem; Familien müssten füreinander sorgen.
Hinzu komme, dass in vielen Berufen nur sehr wenig verdient werde – oft zu wenig, um den Lebensunterhalt zu bestreiten oder eine Familie zu gründen. „Wenn eine Familie einem jungen Mitglied ermöglicht, in Deutschland einen Beruf zu erlernen und Geld zu verdienen, unterstützt dies die gesamte Familie finanziell. Viele junge Menschen schicken bereits während der Ausbildung rund 500 Euro im Monat nach Hause – das entspricht in Indien dem Lohn eines Ingenieurs.“
Die Reise nach Delhi und Bangalore ermöglichte der Delegation – zu der auch Julia Gauerhof (IHK Südlicher Oberrhein), Sven Kirchner (Herrenknecht AG), Max Lederer (Landmaschinen-Mechanikermeister), Dr. Handirk von Ungern-Sternberg sowie Aditi Banerjee, Gründer und Mitgesellschafter von IndiaWorks, gehörten – sowohl den indischen Partner Magic Billion kennenzulernen als auch das staatliche und private Ausbildungssystem sowie den Arbeitsmarkt besser zu verstehen.
Im Trainingszentrum in Noida traf die Delegation die Kandidatinnen und Kandidaten und erhielt Einblicke in die Rekrutierungs-, Qualifizierungs- und Betreuungsprozesse vor Ort. „Diese Einblicke verdeutlichen, wie entscheidend Vorbereitung, Struktur und langfristige Zusammenarbeit für eine nachhaltige Arbeitsmigration im Fachkräftekorridor zwischen Indien und Deutschland sind“, betont Stöcker. Zudem fand ein Austausch in der deutschen Botschaft mit Botschafter Dr. Philipp Ackermann statt.
In Bangalore besuchte die Delegation das Trainingszentrum von Magic Billion und traf weitere zukünftige Auszubildende in verschiedenen Berufen. Gespräche wurden mit Verantwortlichen der Karnataka Skill Development Authority und dem GTTC (Government Tool Room & Training Centre) geführt. Außerdem besuchte die Delegation das Dayananda Sagar College of Engineering und Hubert Reiland, den ehemaligen Präsidenten der deutschen Außenhandelskammer.
„Die vielen Gespräche und Eindrücke vor Ort halfen uns, die Strukturen der Fachkräfteausbildung in Indien zu verstehen“, sagt Stöcker. „Es war ein kurzer, aber intensiver Aufenthalt mit einem dichten Programm und hervorragendem Austausch auch innerhalb der Delegation – ein wichtiger Beitrag zur zukünftigen Vernetzung im Bereich nachhaltiger, legaler Fachkräftemigration.“
(Presseinfo: Stadt Weil am Rhein, 25.03.2026)
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Kreis Lörrach - Weil am Rhein
25. Mar 2026 - 15:58 UhrAusbildung von Fachkräften aus Indien: Delegation aus Weil am Rhein mit Oberbürgermeisterin Diana Stöcker machte sich eigenes Bild - Reger Austausch vor Ort in Indien

Ausbildung von Fachkräften aus Indien: Delegation aus Weil am Rhein mit Oberbürgermeisterin Diana Stöcker machte sich eigenes Bild.
Die Delegation aus Südbaden wird in Delhi herzlich in Empfang genommen.
Handirk von Ungern-Sternberg (Gründer und Mitgesellschafter von IndiaWorks, Zweiter von links), Max Lederer (Landmaschinen-Mechanikermeister, Dritter von links), Sven Kirchner (Ausbildungsleiter der Herrenknecht AG, Mitte), Weils Oberbürgermeisterin Diana Stöcker (Dritte von rechts), Joachim Lederer (Landesinnungsmeister für das Fleischerhandwerk) und Julia Gauerhof (Fachberaterin für junge Zugewanderte in Ausbildung der IHK Südlicher Oberrhein).
Foto: Stadt Weil am Rhein - Stöcker
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