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Kreis Emmendingen - Teningen

8. Nov 2011 - 23:41 Uhr Freuen sich auf den Abend: Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Freiburg-Nördlicher Breisgau, Horst Kary, und Teningens Bürgermeister Heinz-Rudolf Hagenacker (rechts)
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Zeitreise im Plauderton: Joachim Gauck begeistert 1.300 Zuhörer beim Sparkassenforum in Teningen - Der "Bürgerpräsident" erreichte das Publikum, erläuterte die Situation als DDR-Bürger und appellierte an Dankbarkeit und Freude für das Heute

Dienstag > Der Auftritt war verbindlich, das Thema ernst. Heute Abend begeisterte der ehemalige Leiter der Stasi-Unterlagenbehörde und beinahe Bundespräsident, Joachim Gauck, 1.300 Besucher des Sparkassenforums in der Ludwig-Jahn-Halle in Teningen. Nach einer herzlichen Begrüßung durch Horst Kary (Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Freiburg-Nördlicher Breisgau) mit einem kurzen Abriss zum Werdegang des Gastredners und einem mit aktuellen politischen Einblicken gespickten Willkommen von Teningens Bürgermeister Heinz-Rudolf Hagenacker nahm der Bürgerrechtler aus dem Osten der Republik seine Zuhörer im Plauderton mit auf eine Reise in die DDR. Er machte am Beispiel der fiktiven Marie und des ebenso fiktiven Paul deutlich, wie Menschen im "Arbeiter- und Bauernstaat" von Kindesbeinen an zu funktionierenden Untertanen statt zu Staatsbürgern erzogen wurden.

Ob beim Eintritt in die unterschiedlichen Altersstufen der Pioniere, beim Übertritt zur FDJ, bei der Verpflichtung zur NVA oder bei der späteren Karriere: Gauck erläuterte mit seiner Geschichte plastisch, wie jungen Menschen die Bereitschaft zum Mitmachen mit subtilem Druck, psychologischen Tricks und Aussichten auf Karriere eingeflüstert wurde. Sich auf die Partei und ihre Wünsche einzulassen war stets einfacher, als sich zu widersetzen: “Sind sie schon Mitglied in der Partei,” diese Frage sei jedem gestellt worden, der eine Führungsposition einnehmen wollte. Rausreden sei nicht möglich gewesen. Wer sich nicht unterordnen wollte, hätte keine Karrierechancen mehr gehabt und hätte mittelfristig auch mit dem Verlust der aktuellen Position rechnen müssen.

Aber nicht nur die “Ossis” könnten Diktatur, so Gauck weiter. Auch im Westen hätte die Nazi-Zeit gezeigt, dass es offensichtlich relativ einfach sei, Menschen daran zu gewöhnen, dass sie nicht Bürger seien sondern Untertanen. Wer nun wie die ältere Generation in der DDR zwölf Jahre unter der Nazi-Herrschaft und 46 Jahre unter der SED-Diktatur gelebt habe, der gewöhne sich an dieses Leben. Dann sei es unglaublich schwierig, einen eigenen Weg zu gehen. Es gebe aber immer auch Menschen, die Diktaturen nicht unterstützen und die einen Gegenentwurf leben. Diese Menschen hätten wegen der immer größer werdenden Kluft zwischen Parteipropaganda und Realität Zulauf bekommen und 1989 das Ende der DDR herbeigeführt. “Wir sind das Volk”. Nie habe ein Politiker in Deutschland einen stärkeren Satz gesprochen, so Gauck.

Doch auch nach 1989 hätten die meisten Menschen in der DDR kein selbst bestimmtes Leben führen können. Das Gesellschafts- und Wirtschaftssystem des Westens sei einfach übernommen worden. Die Akteure dabei seien zumeist Fachleute aus dem Westen gewesen, die beispielsweise Verwaltung, Justiz und Wirtschaft nach westlichem Vorbild organisiert hätten. Eine Bevormundung, die sich der Osten gern gefallen lassen habe, schließlich hätten die “Wessis” auch Telefone in jedem Haushalt ermöglicht, neue Straßen und anderen Komfort.

Den Plauderton gab Gauck allerdings auf, als er die Partei “Die Linke” kritisierte. Es sei völlig unverständlich, dass die Nachfolgepartei der PDS und der SED, die auf einem System aufbaue, das nie freie Medien und die Herrschaft des Rechts gekannt habe, sich heute vor die demokratische Gesellschaft stellen und einen Systemwechsel fordern würde. Die Unterstützer des SED seien rückwärtsgewandt und hätten den Verlust des Unterwerfungssystems DDR nie verkraftet. Deutschland sei nach wie vor gespalten. Während sich der Westen schon sehr zu einer Zivilgesellschaft entwickelt habe, befinde sich der Osten Deutschlands noch immer in einem Transformationsprozess.

Zusammenfassend kam Gauck zum Ergebnis, dass es beim Abbau stereotyper Auffassungen von “Wessis” und “Ossis” übereinander noch einiges zu tun gäbe. Dazu
müssten Einstellungen verändert und vor allem die Wahrnehmung jedes Einzelnen in Gang gesetzt werden. Er hoffe, er habe dazu beigetragen und die Zuhörer hätten gelernt, dass auch sie selber im System DDR funktioniert hätten. Deutsche könnten aber auch Freiheit: Dafür stünden 60 Jahre Bürgerrechte, Menschenrechte, Herrschaft des Rechts, Frieden sowie Wohlstand, der immer gewachsen sei.

Wann habe die deutsche Nation in ihrer langen Geschichte schon einmal eine solch lange Phase erlebt? Nie, so Gauck. Die normale Haltung gegenüber einem solchen Befund müsse Dankbarkeit und Freude sein. Deutschland sei immer noch eine Gesellschaft der Mängelwesen. Sie sei aber besser, als alles was davor existiert hätte. Das nicht zu sehen, sei ein großes Maß an Undankbarkeit.
Am Ende gab es stehende Ovationen für Gauck von den Zuhörern und ein “Westpaket” von Teningens Bürgermeister Heinz-Rudolf Hagenacker. Hagenacker bedankte sich zudem beim Vorstandsvorsitzenden der Sparkasse Freiburg-Nördlicher Breisgau, Horst Kary, für dieses Highlight, das die Sparkasse organisiert und nach Teningen gebracht hate. Der Sparkassendirektor, der Ende des Jahres aus dem Amt scheidet, sei für Teningen stets das freundliche Gesicht der Sparkasse gewesen. Anschließend trug Gauck sich in das Goldene Buch der Gemeinde ein und signierte seine Bücher, die käuflich zu erwerben waren - wovon die Besucher reichlich Gebrauch machten.

VIDEO 1: Impressionen aus Teningen

VIDEO 2: Joachim Gauck - Zitate

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