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Stadtkreis Freiburg - Freiburg

15. Jul 2025 - 18:01 Uhr

Universität Freiburg hat Jürgen Osterhammel mit Ehrendoktorwürde ausgezeichnet - Historiker ist führender Vertreter globaler Perspektiven in zeitgenössischer Geschichtsschreibung und hat diese wesentlich mitgeprägt

Universität Freiburg hat Jürgen Osterhammel mit Ehrendoktorwürde ausgezeichnet.
Von links: Kerstin Krieglstein, Jürgen Osterhammel und Daniel Leese bei der Verleihung der Ehrendoktorwürde. 

Foto: Universität Freiburg - Jürgen Gocke
Universität Freiburg hat Jürgen Osterhammel mit Ehrendoktorwürde ausgezeichnet.
Von links: Kerstin Krieglstein, Jürgen Osterhammel und Daniel Leese bei der Verleihung der Ehrendoktorwürde.

Foto: Universität Freiburg - Jürgen Gocke

Ein Schwerpunkt seiner Arbeit ist die Auseinandersetzung mit der Geschichte Chinas


Der Historiker Prof. Dr. Jürgen Osterhammel hat die Ehrendoktorwürde der Universität Freiburg erhalten. Prof. Dr. Daniel Leese, Professor für Sinologie an der Universität Freiburg und Dekan der Philosophischen Fakultät, verlieh ihm die Auszeichnung im Rahmen einer Akademische Feier am 14. Juli 2025. Das Grußwort hielt Rektorin Prof. Dr. Kerstin Krieglstein. „Jürgen Osterhammel zählt seit vielen Jahren zu den weltweit renommiertesten Globalhistorikern. Er hat diese geschichtswissenschaftliche Perspektive seit den 1980 Jahren methodisch und konzeptionell wesentlich mitgeprägt und kontinuierlich weiterentwickelt – sowohl in empirisch gesättigten Studien als auch in wegweisenden Synthesen“, so Krieglstein.

Transkulturell vergleichende Geschichtsschreibung:
Schon mit seinen frühen Forschungsarbeiten legte Jürgen Osterhammel den Grundstein für eine transkulturell vergleichende, global ausgerichtete Geschichtsschreibung und verknüpfte den Fokus auf die europäische Expansion und die Entwicklung Chinas mit seinen sozialwissenschaftlichen Interessen. Mit der 1989 erschienenen Arbeit „China und die Weltgesellschaft. Vom 18. Jahrhundert bis in unsere Zeit“ wurde er an der Universität Freiburg habilitiert. Zahlreiche weitere Veröffentlichungen folgten, wobei sich die Auseinandersetzung mit China leitmotivisch durch sein Werk zieht. „Mit seinem Buch ‚Die Entzauberung Asiens. Europa und die asiatischen Reiche im 18. Jahrhundert‘ von 1998 leistete er eine fundamentale Neubewertung der europäischen Wahrnehmung Asiens“, so Daniel Leese in seiner Laudatio.

In Osterhammels Arbeiten zeigt sich auch sein fortwährender Anspruch, historische Erkenntnisse einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen, etwa durch sein bereits 1979 im Diesterweg Schulbuchverlag veröffentlichtes Lehrwerk „Das moderne China“, das den aktuellen Wissensstand über das damals gerade erst wieder für den Westen „geöffnete“ China im Schulunterricht vermittelte. Seit den 1990er Jahren warb Osterhammel mit einer Vielzahl methodisch innovativer und konzeptionell präziser Aufsätze als einer der ersten Historiker in Deutschland für den transkulturellen Vergleich und auf dieser Grundlage für globalhistorische Ansätze.

Geschichte als Weltgeschichte:
2009 erschien Osterhammels in zwölf Sprachen übersetztes, mit zahlreichen Preisen ausgezeichnetes Opus magnum „Die Verwandlung der Welt. Eine Geschichte des 19. Jahrhunderts“. Ausgehend von der Prämisse, dass alle Geschichte dazu tendiere, Weltgeschichte zu sein, wirft das Buch einen Blick auf Veränderungen in der Welt und fragt nach globalen Parallelen und Unterschieden, nach dem Verhältnis von Gleichzeitigkeit und Ungleichzeitigkeit. „Sorgfältig ausgewählte Beobachtungen verdichtet Osterhammel zu Analysen, die nicht als dogmatische Ergebnisse präsentiert werden, sondern Denkanstöße bieten“, sagt Leese: „‚Die Verwandlung der Welt‘ verbindet Analyse und Anschaulichkeit zu einer überragenden Syntheseleistung.“

Osterhammel, bis zu seiner Emeritierung Professor für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Konstanz, ist unter anderem leitender Herausgeber der sechsbändigen „Geschichte der Welt“, die von 2012 bis 2023 in einer amerikanischen und deutschen Parallelausgabe erschien. „Jürgen Osterhammel ist durch sein Werk zu einer herausragenden Autorität in der nationalen und internationalen Fachwelt geworden“, so Leese. Für ihn sei Weltgeschichte kein bloßes Aggregat nationaler Geschichten, die um einige „Entwicklungsländer“ ergänzt werden: Er betrachtet schon die Geschichte Europas als eine Geschichte der Verflechtung mit der Welt – durch den Export und Import von Menschen, Wissen und Gütern, aber auch durch Kriege. Osterhammel frage nach der Erfahrung der „einen Welt“, ohne diese auf ein bestimmtes Ziel hin zu verkürzen. „In einer Gegenwart, in der sich offensichtlich die Tendenz dramatisch verstärkt, auf die Komplexität der Welt mit einfachen Antworten zu reagieren, ist das Werk von Jürgen Osterhammel aktueller denn je“, würdigt Leese den Geehrten.

(Presseinfo: Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, 15.07.2025)

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