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Breisgau-Hochschwarzwald - Löffingen

16. Oct 2020 - 16:17 Uhr Erfolgreicher Projektabschluss "Schwarzwälder Wiesenvielfalt" in Löffingen.
Reinhold Treiber vom LEV Breisgau-Hochschwarzwald erläutert auf einer vor vier Jahren mit Wiesendruschsaatgut angesäten Fläche am Ochsenberg bei Löffingen den Erfolg der Maßnahme.

Foto: Naturpark Südschwarzwald e.V.
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Erfolgreicher Projektabschluss "Schwarzwälder Wiesenvielfalt" in Löffingen - Projekt zu Samengewinnung auf Wiesen im Naturpark Südschwarzwald trägt zu Erhaltung der Artenvielfalt bei

Im Naturpark Südschwarzwald läuft seit 2016 das Modellprojekt „Schwarzwälder Wiesenvielfalt“, bei dem Samen von heimischen Wildblumen und Gräsern auf naturnahen Wiesen im Schwarzwald gezielt geerntet und wieder für die Begrünung eingesetzt werden. Am Mittwoch, 7. Oktober 2020, fand hierzu in Löffingen die Abschlussveranstaltung statt.

In Anpassung an ihren Standort haben Pflanzen regionale oder gar lokale Besonderheiten ausgebildet. Deshalb ist es wichtig, bei der Begrünung möglichst Saatgut aus derselben Region einzusetzen. Bisher wurde im Schwarzwald allerdings kein Saatgut heimischer Wiesenpflanzen gewonnen bzw. produziert. Wer hier Saatgut für eine Wiesenbegründung einsetzen wollte, war auf die Herkunft aus dem sehr großen Produktionsraum „Südwestdeutsches Berg- und Hügelland“ angewiesen, der sich nördlich bis Frankfurt und Trier erstreckt – ein unbefriedigender Zustand.

In dem vierjährigen Modellprojekt wurden seit 2016 nun artenreiche Wiesen im Schwarzwald gesucht, die sich für eine Beerntung von Saatgut heimischer Wiesenkräuter und Gräser eignen. Diese so genannten Spenderflächen sollten nicht nur die typischen Arten aufweisen, sondern auch mit einem Mähdrescher befahrbar sein. Nicht zuletzt mussten auch die Flächenbewirtschafter, die Landwirte, einverstanden sein und ihre Flächen gegen eine Aufwandsentschädigung zur Verfügung stellen. Die Leistungen der Landwirte, die artenreiche Wiesen bewirtschaften und erhalten, sind hoch zu schätzen, wie der stellvertretende Geschäftsführer des Naturparks Südschwarzwald, Holger Wegner, gleich in seiner Einführung betonte.

Dr. Reinhold Schaal vom Umweltministerium Baden-Württemberg stellte das Thema in den rechtlichen Rahmen und machte deutlich, dass mit der Novellierung des Bundesnaturschutzgesetzes seit Frühjahr 2020 strengere Auflagen für die Ausbringung von Wildpflanzensamen in die freie Landschaft gelten. Somit sei das Modellprojekt „Schwarzwälder Wiesenvielfalt“ des Naturparks Südschwarzwald ein Vorreiter für ganz Deutschland, denn nur in wenigen Regionen stehe bisher geeignetes Saatgut zur Verfügung.

Die Biologin Ulrike Stephan, die mit ihrem Unternehmen Wiesendrusch Oberrheingraben das Modellprojekt als Dienstleisterin umgesetzt hat, und Reinhold Treiber, Geschäftsführer des Landschaftserhaltungsverbandes (LEV) Breisgau-Hochschwarzwald, erläuterten die einzelnen Module des Projekts. Zentrale Bestandteile waren: Erstellung eines Spenderflächenkatasters, Durchführung und Begleitung der Samenernte, Zusammenstellung von möglichst artenreichen Saatmischungen und Einsaat von Testflächen mit Erfolgskontrolle, Beratung von Saatgutabnehmenden und Öffentlichkeitsarbeit, um das neue Angebot an „gebietseigenem Saatgut“ bekannter zu machen.

Im Projektverlauf konnten immer mehr Wiesen in das Projekt einbezogen werden. So wurden dieses Jahr insgesamt 26 Flächen von 16 Projektpartnern beerntet. Auf diese Weise kann hoffentlich die ständig steigende Nachfrage nach dem Schwarzwälder Saatgut im kommenden Jahr gedeckt werden.

Die Bedeutung und das Potenzial des Straßenbegleitgrüns für den Naturschutz stellte Björn Losekamm vom Verkehrsministerium dar. Es macht 27.000 Hektar im Land aus. Gebietseigenes Saatgut wird an gestörten, straßennahen Standorten eingesetzt. Verschiedene Praxisanleitungen stehen bereits zur Verfügung, mehrere Erprobungsvorhaben laufen. Die Erkenntnisse müssen stärker publik gemacht werden, und für den Mehraufwand bei der ökologisch sinnvollen abschnittsweisen Pflege des Straßenbegleitgrüns bedarf es finanzieller Spielräume.

Wie das gewonnene Saatgut zur Neubegrünung und Aufwertung von FFH-Mähwiesen, Ausgleichsflächen, Gewässerrändern, Straßenböschungen oder in Naturschutzprojekten eingesetzt wird, beschrieb Reinhold Treiber (LEV Breisgau-Hochschwarzwald) zum Abschluss des theoretischen Teils in der Löffinger Festhalle.

Zwei Flächen, auf denen Wiesendruschsaat zum Einsatz gekommen ist, wurden im Anschluss vor Ort begutachtet. Eine Fläche im Löffinger Naturschutzgebiet Ochsenberg wurde 2016 nach der Freistellung von Gehölzen mit Wiesendruschsaatgut angesät. Sie hat sich sehr gut entwickelt und weist ein hohes Arteninventar auf. Eine zweite Fläche wurde auf Neustädter Gemarkung besucht. Es handelt sich um eine frühere Weidfläche in Hanglage am südlichen Rand der Bundesstraße 31, die 2018 mit den typischen Schwarzwaldwiesenarten aufgewertet wurde. Trotz der erst vor zwei Jahren umgesetzten Maßnahme sind die Zielarten Bärwurz, Schwarze und Wiesen-Flockenblume bereits gut entwickelt. Im Rahmen des Modellprojekts zwischen 2016 und 2019 wurde das Saatgut für 76 Begrünungsprojekte eingesetzt.

Bei den rund 40 Teilnehmenden der Abschlussveranstaltung, die aus der Verwaltung, von Planungsbüros, von Gemeinden, Bauhöfen, Landschaftserhaltungsverbänden und Naturschutzverbänden gekommen waren, herrschte Einigkeit über die hohe Bedeutung des Modellprojekts für die Bewahrung der Biodiversität im Naturpark Südschwarzwald.

Dieses Projekt wurde gefördert mit Mitteln des Landes Baden-Württembergs und der Lotterie Glücksspirale.

(Presseinfo: Naturpark Südschwarzwald e.V., 16.10.2020)

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