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12. Jan 2018 - 15:34 Uhr

Bildungspolitik: Zurück ins letzte Jahrtausend? - Bildungsgewerkschaft: „Eigentlich fehlt nur noch die Forderung nach Einführung der Prügelstrafe“ -

„Eigentlich fehlt in diesem Bauchladen der schwarzen Pädagogik nur noch die Forderung nach Einführung der Prügelstrafe“, sagte heute in Stuttgart Doro Moritz, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

Die GEW erwartet mit Blick auf die geplante Schöntaler Erklärung der CDU ein Machtwort des Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann zur Bildungspolitik. „Die CDU zeigt mit ihren Forderungen nach Frontalunterricht, Vergleichstests in den Grundschulen, zu
Schönschreiben oder nach Noten in Gemeinschaftsschulen, dass sie keine Ahnung vom Alltag in den Klassenzimmern hat, ignoriert den
Rat von Experten und missachtet den Koalitionsvertrag. Statt Ideen aus der Mottenkiste brauchen die Schulen echte Unterstützung und
keine Stammtischparolen“, sagte Moritz.

Die Forderung nach einer Anwesenheitspflicht für Lehrer an Schulen und Unterricht „im Sinne der 41-Stunden-Woche“ nennt die
GEW-Chefin absurd. „Wer so etwas schreibt, hat schon lange keine Schule mehr von innen gesehen. Das Kultusministerium will 30 Jahre
nachdem die erste E-Mail versandt wurde, jetzt erstmals Lehrkräfte mit einer dienstlichen E-Mail-Adresse ausstatten, die meisten
Lehrer/innen haben im Lehrerzimmer eine Arbeitsfläche in Größe eines DIN A4-Blatts zur Verfügung und würden sich bei der
Unterrichtvorbereitung am Sonntag freuen, wenn sie eine 41-Stunden-Woche hätten. Über solche Forderungen können wir gerne wieder
reden, wenn es die Landesregierung geschafft hat, ihre Hausaufgaben zu machen und an allen Schulen vernünftige Arbeitsplätze zur
Verfügung zu stellen“, sagte Moritz.

Die GEW weist auch auf die fehlenden Fortbildungsangebote hin. „Die CDU und die Kultusministerin machen sich unglaubwürdig, wenn sie
sich auf das Thema Rechtschreibung in der Grundschule fokussieren, aber keine Kapazitäten in der Lehrerfortbildung anbieten“ sagte
Moritz. Die Lehrerfortbildungsmittel wurden in den vergangenen Jahren gekürzt, für viele Fortbildungen gibt es mehr Bewerbungen. Zum
Beispiel wurden für eine Grundschul-Fortbildung zum Thema „Rechtschreibstrategien“ nur 21 Teilnehmer/innen bei 52 Bewerber/innen zugelassen.

Hospitationen für Landtagsabgeordnete:
Die GEW empfiehlt Hospitationen für Landtagsabgeordnete in Schulen. „Vielleicht merken sie dann, dass es für gute Leistungen nicht
noch mehr Noten, Vergleichstests etc., sondern mehr Zeit für gute Rückmeldungen der Lehrkräfte braucht. Die Lehrerinnen und Lehrer
in den Klassenzimmern fühlen sich im Stich gelassen. Während die Steuereinnahmen wie nie zuvor sprudeln, ist mitten im Schuljahr
nicht einmal überall der Pflichtunterricht gesichert, die Vertretungsreserve geht zur Neige und Reformprojekte wie der Ganztagsschulausbau, Inklusion und Ethikunterricht kommen nicht voran“, sagte Moritz.

Schulleitungen melden täglich Unterrichtsausfall:
Täglich melden sich bei der GEW Schulleitungen und teilen mit, wie schlecht die Unterrichtsversorgung an vielen Schulen ist und dass
gleichzeitig die Aufgaben für die pädagogischen Profis gestiegen sind. „Gute Schule ist derzeit nur mit viel Mehrarbeit möglich. Wer
gestalten will, kann nicht auf Kosten der Schüler und Lehrkräfte sparen. Wer Unterrichtsqualität verbessern will, muss zuerst dafür
sorgen, dass der Unterricht stattfindet“ sagte Moritz.

Kommentare auf der GEW-facebook-Seite zu den CDU-Plänen:

„Ich bin 71 Jahre und trat im Jahre 1971 meine erste Stelle an - Rolle rückwärts in diesem Tempo ???? - Schlimmer kann Populismus
nicht auf den Rücken der Schülerinnen und Schüler, aber auch der Kolleginnen und Kollegen ausgetragen werden - Das ist Polit-Theater
aus der untersten Schublade....“

„Die CDU kopiert auch in der Bildungspolitik zunehmend die AfD.“

„Natürlich: Fokus! Leistung! Disziplin! Und im Sport möchte die CDU bestimmt, dass die Jungen und Mädels flink wie Windhunde, zäh
wie Leder und hart wie Kruppstahl werden. Auf die Idee, dem Bildungsbereich Budgets zur Verfügung zu stellen, damit auch genug
Lehrer zur Verfügung stehen, kommt die CDU nicht.“

Weitere Informationen: www.gew-bw.de.

(Presseinfo: Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Baden-Württemberg, 12.01.2018)


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